Autorin: Dominique Maria Krauß

What’s the issue?

Die Wertvorstellungen der Gesellschaft sind im Umbruch und Konsummuster ändern sich. Gleichzeitig gewinnt der Megatrend um die Gesundheit1 immer mehr an Bedeutung in den Bereichen Lifestyle, Selbstoptimierung und Achtsamkeit. Der Verzicht auf alkoholische Getränke wird Teil eines gesunden Lebensstils.2 Laut Studien der BZGA trinken nur noch 32 % der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren regelmäßig Alkohol.3

Auch bei meinen Gewohnheiten haben sich viele Dinge geändert. Ich pflege meine täglichen Routinen wie Sport, Ernährung sowie persönliches Wachstum behutsamer. Gleichzeitig bin ich Bartenderin und mir sehr im Klaren darüber, dass Gesundheitsbewusstsein und Ausgehkultur vereinbar sind.

Ein Schlüsselmoment war mein 33. Geburtstag. Aufgrund einer Medikamenteneinnahme habe ich über mehrere Wochen keinen Alkohol getrunken. Ich habe Freunde zu mir eingeladen und einen Brunch vorbereitet. Zunächst griff ich hier auf Kaffee und Tee als Begrüßungsgetränke zurück. Selbstverständlich war mir aber klar, dass ich als Bartenderin nicht nur Heißgetränke servieren möchte. Folglich bereitete ich alkoholfreien Spritz zu – im Weinglas mit ausgefallenem Garnish. Als wir beieinanderstanden, um anzustoßen, bemerkte ich eine Veränderung der Stimmung. Das Lachen wurde herzlicher, die Gespräche tiefer und die Laune ausgelassener. Meine Gäste waren mit der alkoholfreien Variante glücklich.

Warum wir uns in Bars nach einer inklusiven Trinkkultur sehnen

Die Bar ist ein Ort, der Gäste empfängt und ein Zusammenkommen von verschiedenen Menschen ermöglicht. Sie bietet den Menschen einen Raum zum Unterhalten und Abschalten. Nachbarn, Generationen und Besucher begegnen sich. Denn Bars sind wichtige Treffpunkte mit gesellschaftlicher Bedeutung4 und gestalten somit einen Raum, der für Inklusivität und Diversität stehen soll. Deshalb ist es für die Hospitality wichtig, sich an die veränderten Bedürfnisse der Gäste anzupassen.

Zu den gegenwärtigen Bedürfnissen gehört es verstärkt, alkoholfreie Getränke anzubieten. Die Bar sollte das Momentum des Wandels der gesundheitlichen Bedeutung nutzen, um eine alkoholfreie Trinkkultur mitzugestalten.

Und wie kommen wir da nun hin?

Umfragen haben einen Rückgang des Alkoholkonsums in der jüngeren Generation ergeben.5 Dieser Wandel kann auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, unter anderem auf ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein, auf den Einfluss der sozialen Medien und auf den Wunsch nach sinnvollen Erfahrungen.

Folgende Ansätze helfen uns besser zu verstehen, wie wir unser Ziel von Inklusivität durch das Promoten von alkoholfreien Drinks realisieren könnten.

Zunächst gilt es, die Unternehmenswerte der eigenen Bar zu definieren, festzulegen, niederzuschreiben und gegenüber den Mitarbeitenden zu kommunizieren.

Die Verbindung zwischen einer inklusiven Trinkkultur und der Definition der Unternehmenswerte ist wichtig, da die Kernwerte der Bar die Grundlage für ihre Kultur und ihr Verhalten bilden. Angefangen bei den Mitarbeitenden sorgt dies unter anderem für Identifikation und befähigt das Team, im Sinne der Unternehmensgrundsätze zu handeln.7 Des Weiteren sorgt das Entgegenbringen von Anerkennung und Wertschätzung durch eine ausgeprägte Wertekultur für eine langfristige Bindung der Mitarbeitenden. Neue Teammitglieder kommen hinzu, ältere bleiben und somit werden verschiedene Perspektiven, Fähigkeiten und Kenntnisse im Team vereint. Dadurch wird eine integrative Arbeitsumgebung gefördert, welche ein Gefühl der Zugehörigkeit und somit nachhaltige Karrierelaufbahnen unterstützt. Dies könnte sich positiv auf die mentale Gesundheit auswirken, da soziale Verbindungen und Akzeptanz wichtige Faktoren für das Wohlbefinden sind.8 Denn insgesamt tragen eine inklusive Umgebung und ein empowertes sowie diverses Team zusammen mit einem vielfältigen Angebot an Getränkeoptionen dazu bei, dass Gäste unterschiedlicher Geschmäcker, Präferenzen oder Lebensstile sich gleichermaßen willkommen fühlen. Dies unterstützt das Schaffen einer inklusiven Trinkkultur, in der sich Gäste respektiert und akzeptiert fühlen, unabhängig davon, ob sie Alkohol konsumieren oder nicht.

Zudem kann die Bar ihre Gäste, die Softdrinks, Wasser oder Tee bestellen, über kreative alkoholfreie Optionen aufklären und individuell beraten. Die Bartender:innen können mit Drink-Kreationen begeistern, die zu einem aufregenden Trinkerlebnis einladen.6

Denn der technologische Fortschritt hat die Herstellung von alkoholfreien Getränken revolutioniert. Destillateure und Bartender:innen haben jetzt Zugang zu innovativen Techniken und Zutaten. Die Nutzung dieser Mittel ermöglicht es zusammen mit der Expertise der Bartender:innen, anspruchsvolle Drinks herzustellen, die geschmacklich komplex und filigran sind.

Wie die Bar die No-Abv-Kategorie kommuniziert, ist dabei ausschlaggebend. Im Wording stets inklusiv, wird diese Kategorie Teil der Signatures. Neben dem Kreieren der alkoholfreien Drinks ist es schlussendlich auch von Bedeutung, den Gästen davon auf Social Media zu erzählen und sie sichtbar in der Menükarte zu platzieren.

Welcher Nutzen ergibt sich daraus?

Durch eine authentische und wertstiftende Unternehmenskultur, (digitale) Kommunikationsmethoden sowie Innovation und Fortschritt im Bereich No Abv können wir eine einzigartige Customer Experience kreieren.

Das führt wiederum dazu, dass die Bar als ein positiver Ort wahrgenommen wird, der die Unterschiedlichkeiten seiner Mitarbeitenden sowie die veränderten Bedürfnisse der nachkommenden Generationen als Bereicherung feiert. Daraus ergibt sich eine langfristige Gastbindung.9

Durch die Erweiterung der Barkarte mit alkoholfreien Drinks können Bars alle Gäste gleichermaßen kulinarisch verwöhnen. Dieser integrative Ansatz fördert das Gefühl der Zugehörigkeitund bereichert das Gesamterlebnis für alle Gäste.

Cheers für die Vielfalt

Die Gesellschaft verändert sich und wir als Branche möchten durch eine gelebte Wertekultur an diesem Wandel beteiligt sein und weiterhin ein bereicherndes Umfeld für alle Beteiligten bieten.

Denn die Bar kann durch das Vertrauen zwischen ihr und den Gästen zu einem gesellschaftlichen Wandel innerhalb ihres Wirkungsfelds beitragen. Sie kann dafür sorgen, dass ein No-Abv-Feierabend-Drink oder eine Dinner-Weinbegleitung ebenso befriedigt, und ebnet somit den jungen und gesundheitsbewussten Gästen den Weg in eine neue Genusskultur.

Letztlich könnte jede:r für sich überlegen: Was kann ich tun, vielleicht sogar ohne großen Aufwand, und wo möchte ich Impulse setzen? Mit welchen Veränderungen fühle ich mich wohl und was möchte ich besonders supporten?

Neulich war ich in Hamburg in der neuen Bar von Chloé Merz und André Lembcke, der „Collab Bar“. Ein Großteil der Barkarte besteht aus „Ohne“-Drinks. Hier sind die alkoholfreien Drinks in die Signatures integriert. Das hört sich beim Bestellen so schön zwanglos an, mit ganz viel Leichtigkeit, als wäre es nie anders gewesen.

Kurz zurück zur Situation an meinem Geburtstag: Später realisierte ich, dass es beim Anstoßen in der Runde um das Rituelle, das Beisammensein und die gesellschaftliche Zugehörigkeit ging. Wir hatten alle leckere Drinks und fühlten uns dadurch verbunden.

QUELLEN:
https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrend-gesundheit/.
2 https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/sober-curiosity/
https://www.bzga.de/presse/pressearchiv/pressemitteilungen-2022/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=12727&cHash=f57ed0b95d8907105ae3278c2314b952
4 Ruben Neideck, Velvet Bar Berlin, DBU-Workshop.
5 https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/generation-z-alkoholkonsum-100.html.
6 Park Street University Keynote Camille Vidal, Maison Wellness.
7https://www.springerprofessional.de/unternehmenskultur/fuehrungstools/warum-mitarbeiter-unternehmenswerte-brauchen/6602534.
8 https://www.faz-personaljournal.de/ausgabe/05-2021/diversitaet-und-inklusion-am-arbeitsplatz-so-gelingt-der-nachhaltige-wandel-2321/
9https://www.forbes.com/sites/forbesbusinesscouncil/2022/09/16/hospitality-brands-can-succeed-with-a-customer-experience-philosophy/amp/.

Author: mariekubitz

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